Prof. Susanne Brandhorst

Conceptional Designer, Co-Gründerin DE:HIVE Institut

Profil
Creative- und Art-Direktion, Game Thinking, Visual Development für Games, Coaching von künstlerischen Workflows, didaktische Konzeption

Im Studiengang SYSTEM DESIGN...
...ist Susanne von Anfang (2019) an dabei. Insbesondere hat sie die didaktischen und inhaltlichen Konzepte des Studiengangs wesentlich geprägt. Sie hat das DE:HIVE konzeptionell und architektonisch Entwickelt. Ein Schwerpunkt stellt die Entwicklung von Lernräumen und Environments da. Sie hat die Kompetenz- und Portfolio-Orientierung des Curriculum initiiert und mit zahlreichen Details lebendig werden lassen. 

Forschung

Ich forsche im Bereich Game Thinking und entwickle Methoden zur Analyse, zum Rethinking und zur Gestaltung von Systemen (Prozessen, Dienstleistungen, Workflows) sowie von Produkten aus der Perspektive von Spielenden und aus der Perspektive von Game System Designern. Game Thinking überträgt erfolgreiche Mechanismen und Prinzipien aus Spielsystemen in andere Bereiche, oft mit besonderen Focus auf Ökonomie und Motivation. Anwendungsbereiche z.B. Bildung, Gesundheit, Creative Industry, Human Ressources, Mobilität, Smart Cities. Weitere Forschungsprojekte befassen sich mit den Thema Games for Health. Darüber hinaus liegt ein weiterer Focus auf Kompetenzentwicklung und künstlerischen Arbeitsmethoden sowie der Evaluation und Neugestaltung von Räumen zum kooperativen Arbeiten und Forschen.

Projekte

  • DE:HIVE - Designzentrum für Spiel
  • gt:toolbox - Prototyping-Methoden für Ideation und Konzeption von Spielsystemen
  • ct:games - Development and Evaluation of Games for Training of Cognitive Abilities
  • MOSYS3D - Modulares mobiles System zur hochpräzisen 3D-Dokumentation von Kulturgut
  • T.R.A.C.Y. - Gamebased Training for Disaster and Emergency Scenarios
  • skillDAC - Kompetenzprofile in der Spieleindustrie
  • GameCamp - Weiterbildung für die Programmierung und Entwicklung von Computerspielen

Lehre

Meine Lehre ist kompetenzorientiert mit hohen praktisch-produktiven Anteil parallel zur Reflexion des Gelernten. Ich unterstütze die Studierenden bei der Entwicklung von Lernstrategien und sowie beim Finden und Ausprägen ihres Profils. Auf Basis von Game Thinking Methoden entwickle und erprobe ich neue Lehrformate wie z.B. das jahrgangsübergreifende Interims Feedback, die praxisnahe Studioarbeit Workday, das Pink Table Coaching in der Agora der gamelabs mit Integration von Learning by Teaching und interdisziplinären Team Teaching und anderes mehr. Neue Lehrformate erfordern neue Prüfungsformen und eine entsprechende Infrastruktur. Auch hier habe ich neue Ansätze und Lösungen entwickelt und etabliert, wie zum Beispiel die Reflexion On Praxis. Eine Herzensangelegenheit ist mir die Unterstützung der Studierenden beim Aufbau einer funktionierenden Learning Community zum Teamlernen.

"SPIEL weil...

Spiele bilden unsere Gesellschaft ab und sie gestalten unsere Gesellschaft im Umkehrschluss. Dadurch haben insbesondere digitale Spiele in den letzten Jahrzehnten eine ungeheure gesellschaftliche Relevanz entwickelt. Eine Bedeutung und auch ein gesellschaftliches Gestaltungspotenzial, welche mich als Designerin und als Künstlerin in der Tradition von Beuys besonders interessiert. Spiele und ihre Regelwerke sind für mich ästhetische Produkte, die im Moment leider noch wenig reflektiert rezipiert werden.  

Dabei oszilliert die Wahrnehmung von Videospielen zwischen sehr affirmativen Positionen einerseits und einer unreflektierten Ablehnung andererseits. Ausgehend von diesem Spannungsfeld möchte ich in Forschung und Lehre dazu beitragen, einen Diskus mitzugestalten, der zum einen die reflektierte Gestaltung von Regelwerken und ihren Schnittstellen etabliert, als auch die Wiederentdeckung des Prinzip Spiels ermöglicht. 

Eine reflektierte Konzeption und Produktion von digitalen Spielen würde diese hoffentlich endgültig, weil eben verdientermaßen auf eine Ebene mit anderen kulturellen, künstlerischen Ausdrucksformen wie Literatur und Film setzen und dort auch so von einer großen Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dieser Status wird Videospiele meiner Meinung nach kein bisschen langweilig oder zahmer machen, ganz im Gegenteil. Ein gut funktionierendes Spiel unterhält und fasziniert, es ist ein Gewinn für die Spieler-innen, denn es ermöglicht uns einen Zustand, den wir alle aus unserer Kindheit kennen: Flow, eins sein mit dem was man tut - die Balance von Herausforderung und Gelingen. 

Kinder streben diesen Zustand intuitiv an und organisieren ihn proaktiv durch die Konfiguration und Adaption von Spielregeln und Ressourcen. Das Prinzip Spiel ermöglicht ihnen unvergleichlich effektiv und nachhaltig zu lernen und zu trainieren. Belohnt werden sie mit maximaler Unterhaltung, während sie den Lernprozess nicht explizieren können. Spiel ist in diesem Sinne ein evolutionär entwickeltes Programm - ein Potenzial des Gehirns, das Lebewesen, die in kurzer Zeit komplexe Systeme verstehen und gestalten lernen müssen, die Möglichkeit gibt, dieses aus eigenem Antrieb, hoch motiviert und selbst organisiert zu tun. 

Für mich ist das eine faszinierende Perspektive. Interessant auch, wenn man bedenkt, dass uns dieses Vermögen im Erwachsenenalter erhalten bleibt und uns so nicht nur reichlich Zeitvertreib beschert, sondern auch neue Möglichkeiten zum Verständnis und zur Gestaltung unserer sehr komplexen Systeme in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft eröffnet. (...)"